Verband Deutscher Sinti und Roma
Landesverband Bayern e.V.
Geschichte der Sinti und Roma Geschichte Geschichte der Sinti und Roma Druckversion
 
In Europa gibt es schätzungsweise 8 Millionen Angehörige dieser Minderheitengruppen. In Deutschland leben etwa 50 000 Sinti und 20 000 Roma.

Der Name Sinti (männlich: Sinto, weiblich: Sintezza) ist möglicherweise von der Region Sindh in Nordwestindien abgeleitet, aus der die Sinti wahrscheinlich vor ca. 1000 Jahren ausgewandert waren.

Der Name Roma (Männer) bezeichnet Stämme außerhalb des deutschen Sprachraums, vor allem aus Südosteuropa (männlich: Rom, weiblich: Romni).
Nach Deutschland sind Roma erst vor ca. 150 Jahren zugewandert.

Die Bezeichnung "Zigeuner", die früher in Deutschland gebräuchlich war, gilt als diskriminierend und wird häufig auch noch so verwendet.

Die Sprache der Sinti und Roma Romanes entstammt aus der alten indischen Sprache Sanskrit. Sie wird hauptsächlich mündlich weitergegeben.

Entgegen allen Vorurteilen sind Sinti und Roma in Deutschland seit Generationen (ca. 600 Jahre) ebenso sesshaft wie die Mehrheitsbevölkerung.

Mit dem "Blutschutz-Gesetz" (Nürnberger Gesetze) und dem "Ehe-Gesundheitsgesetz" (September 1935) der Nationalsozialisten wurden neben den Juden auch die Sinti und Roma als "Artfremde" ausgegrenzt.

Sinti und Roma wurden durch die "Rassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstelle" unter der Leitung von Dr. Ritter administrativ erfasst, was die Grundlage für ihre systematische Vernichtung war.

Heinrich Himmler als "Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei" (ab 1936) sorgte durch den Aufbau eines Apparates von der Reichs- hinunter bis auf die Ortsebene für die zentralisierte, auf Vernichtung zielende Verfolgung der Sinti und Roma. Der Apparat wurde gesteuert vom "Reichssicherheitshauptamt" über die "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerwesens" und verpflichtete die Ortspolizeibehörden zur ständigen Überwachung und Zuarbeit.

Institutionen der Nazis, wie das "Rassehygienische Forschungsinstitut", das "Rasse- und Siedlungsamt der SS" und der "Ahnenerbe e. V." erstellten gemäß der nationalsozialistischen Rassenideologie Gutachten über Personen und Familiengruppen, die den Maßstab für die Art der Verfolgung dieser Menschen setzten.

Es wurden in vielen Orten Lager eingerichtet, wohin die Verfolgten verhaftet wurden. Schon ab 1936 wurden Sinti und Roma in "Zigeuner- und Arbeitslager" eingesperrt.

Die Sinti und Roma wurden ab 1939 "festgeschrieben", d. h. sie durften unter Androhung von KZ-Haft den Wohnort nicht verlassen und bekamen gekürzte Lebensmittelkarten.

Die Kinder der Sinti und Roma wurden aus den Schulen gewiesen.

Erwachsene und Kinder wurden zu Arbeitseinsätzen gezwungen, für die sie entweder keinen oder erheblich gekürzten Lohn bekamen ("Sozialausgleichsabgabe").

Manche entflohen in die Wälder oder ins Ausland und mußten unter schwierigsten Bedingungen in ständiger Angst illegal leben.

Viele Männer, Frauen und auch kleine Mädchen wurden zwangssterilisiert.

1940 fand die erste Massendeportation von Sinti und Roma in Konzentrationslager statt. Im Frühjahr 1943 wurden aus 11 europäischen Ländern Sinti und Roma in das "Familienlager" Auschwitz-Birkenau deportiert.

In den Konzentrationslagern fand entsprechend dem Völkermord an den Juden die systematische Vernichtung der Sinti und Roma vom Säugling bis zum Greis statt. Wer nicht durch Hunger, Krankheit oder Erschöpfung durch die unmenschlich harte Arbeit umkam oder Opfer unmenschlicher medizinischen Experimente wurde, wurde vergast, verbrannt, erschossen, erschlagen oder zu Tode gefoltert.

Wer nach Gutdünken der Gestapo noch arbeitsfähig erschien, mußte in Außenlagern Zwangsarbeit leisten. Kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee bzw. die Alliierten starben sehr viele der Überlebenden auf den "Todesmärschen" an Entkräftung oder wurden durch Genickschuss ermordet.

Nach Schätzungen wurden 500 000 Sinti und Roma unter dem NS-Regime ermordet. Es gibt keine(n) Überlebende(n), der nicht einen großen Teil seiner Angehörigen verloren hat.

Sinti und Roma wurden mit der weitergeführten "Zigeunerpolitik" ausgegrenzt. Dem Hass auf "Zigeuner" und den alten Vorurteilen waren und sind sie bis heute ausgesetzt. Der Völkermord an ihrer Minderheit wurde jahrzehntelang geleugnet.

Mittellos, krank und ausgezehrt, schwertraumatisiert und gedemütigt kehrten die Überlebenden zurück, meist auf der Suche nach Angehörigen. Für sie gab es keine Fürsprecher in der Politik.

Die Verantwortlichen für den Völkermord an Sinti und Roma waren weiterhin dabei, von den "Rasseforschern" bis zu den "Zigeuner-Sachbearbeitern" in den Polizeidienststellen. Viele der Täter machten Karriere im neuen deutschen Staat.

In den Entschädigungsangelegenheiten für die Verfolgten des Nazi-Regimes wurde lange Zeit eine rassische Vefolgung der Sinti und Roma vor 1943 geleugnet, die beschlagnahmten Eigentümer und Vermögenswerte wurden nicht bzw. nur geringfügig ersetzt. Bei der Beweisführung für Körper- und Gesundheitsschaden wurden jahrzehntelang nur körperliche Gesundheitsschäden anerkannt, die von Kriegsende an durch Ärzte nachgewiesen sein mussten, um als verfolgungsbedingt zu gelten. Erst neuerdings wird der Einfluss der Verfolgung auf die Psyche auch berücksichtigt.

Schaden in der Ausbildung oder im beruflichem Fortkommen wurde meist nicht anerkannt, oft mit der Begründung, dass "Zigeuner" konstituionell minderbegabt seien oder von Haus aus kein Interesse an Bildung und Beruf hätten.

Ende der 1970er Jahre entstanden Interessenverbände der Sinti und Roma, die zum Teil seit 1982 im Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma zusammengeschlossen sind.

Von der Bundesregierung wurde die rassische Verfolgung der Sinti und Roma erst 1982 anerkannt.

Am 10.09.1997 hat die Bundesregierung die Europäische Rahmenkonvention zum Schutze nationaler Minderheiten ratifiziert. Die deutschen Sinti und Roma sind die einzige im Freistaat Bayern lebende Minderheit im Sinne des Rahmenübereinkommens des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten. Das Rahmenübereinkommen beinhaltet nicht nur die ausdrückliche Verpflichtung für alle Unterzeichnerstaaten, geeignete Schritte zu unternehmen, die Angehörigen der Minderheit vor „diskriminierenden, feindseeligen oder gewalttätigen Drohungen oder Handlungen zu schützen“, sondern auch „wirksame Maßnahmen zur Förderung in den Bereichen Bildung, Kultur und Medien zu ergreifen.“  
 
  Unsere Adresse:
Verband Deutscher Sinti und Roma
Landesverband Bayern e.V.
Nordring 98a
90409 Nürnberg
 
 
Telefon: 0911-9928793
Fax: 0911-9928798
Email: sinti.bayern@nefkom.net
Impressum