Verband Deutscher Sinti und Roma
Landesverband Bayern e.V.
Geschichte der Sinti und Roma Chronologie des Völkermords Druckversion
 

1931

Beginn der Erhebungen über die beiden "außereuropäischen Fremdrassen" in Deutschland (Juden und "Zigeuner") durch die "NS-Auskunftei" des "SD des Reichsführers SS" in München.

1933

Förderung des "Rasse- und Siedlungsamtes" der SS in Berlin, die "Zigeuner und Zigeunermischlinge" zu sterilisieren.

15. September 1935

Verkündung der "Nürnberger Rassegesetze". Die juristischen Kommentare 1936: "Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und die Zigeuner". Die Heirat von Sinti mit Nicht-Sinti wird verboten.

November 1936

Einrichtung des "Rassehygieneinstituts" unter Leitung von Dr. Robert Ritter im Reichsinnenministerium.

1937 und 1938

Berufsverbote für Selbständige und Beamte. Auflage der "Rassensondersteuer" bei der Lohnsteuer, "da die Zigeuner gewisse rassische Ähnlichkeiten mit den Juden aufweisen" (Parteikanzlei der NSDAP).

13. - 18. Juni 1938

Verstärkte Deportationen nach dem Kriterium "Zigeuner, männlich, erwachsen und standesamtlich nicht verheiratet" in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und später auch Mauthausen.

August 1938

Himmlers "Rassenforscher" Dr. Adolf Würth: "Die Zigeunerfrage ist für uns heute in erster Linie eine Rassenfrage. So wie der nationalsozialistische Staat die Judenfrage gelöst hat, so wird er auch die Zigeunerfrage grundsätzlich regeln müssen."

1. Oktober 1938

Übernahme der NS-"Zigeunerpolizeistelle" München in das Reichskriminalpolizeiamt (ab 27.9.1939 Amt V des Reichssicherheitshauptamte/RSHA) unter Leitung von SS-Oberführer Arthur Nebe, dem nun auch Ritter untersteht. Die Deportation der Juden und "Zigeuner" führt Adolf Eichmann im Amt IV. B24 durch. Die Gestapo zieht das bei den Deportationen geraubte Vermögen der Sinti und Roma ein.

8. Dezember 1938

Himmlers "Runderlaß": Es sei "die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse heraus in Angriff zu nehmen". Die "Feststellung" der "Zigeuner"-Zugehörigkeit treffe das RSHA aufgrund Ritters "Rassegutachten".

21. September 1939

Besprechung des Amtschefs der Sicherheitspolizei und der Leiter der Einsatzgruppen unter Vorsitz Heydrichs zur Vorbereitung der Deportation der "restlichen 30.000 Zigeuner" aus dem Reichsgbiet nach Polen.

16. Oktober 1939

Der "SD Donau" teilt SS-Oberführer Nebe mit, dem ersten am 20. Oktober 1939 von Wien abgehenden "Judentransport können drei bis vier Waggons Zigeuner angehängt werden. Transporte gehen regelmäßig von Wien, Mährisch-Ostrau und Kattowitz ab."

17. Oktober 1939

Himmlers "Festschreibungserlaß". Die dem Reichssicherheitshauptamt unterstellten 21 "Zigeunerleitstellen" von Königsberg, Prag, Wien, München bis Hamburg haben KZ-ähnliche Sammellager zur Vorbereitung der Abtransporte in die Vernichtungslager ein-zurichten.

30. Januar 1940

Konferenz Heydrichs mit SS-Führern zur Deportation von "sämtlichen Juden der neuen Ostgaue und 30.000 Zigeunern aus dem Reichsgebiet und der Ostmark als letzte Massenbewegung in das Generalgouvernement.".

16. Mai 1940

Himmlers Anordnung zur ersten Deportation ganzer Familien. Die Deportationszüge mit 2.800 deutschen Sinti und Roma im das "Generalgouvernement" gehen im Mai von Hamburg, Köln und Hohenasperg bei Stuttgart ab.

1940

Im KZ Lackenbach südlich von Wien ermordete Sint und Roma werden auf dem jüdischen Friedhof in Massengräbern beerdigt, die anderen 1941 über das Ghetto von Lodz in das Vernichtunglager Kulmhof deportiert.

7. August 1941

Erlaß Himmlers: Für weitere KZ-Deportationen deutscher Sinti und Roma "entscheidet das Reichskriminalpolizeiamt aufgrund eines Rassegutachtens". Das "Rassehygieneins-titut" erstellt bis Ende 1944 rund 24.000 "Gutachten".

10. Oktober 1941

Besprechung "über die Lösung der Judenfrage" und "die zu evakuierenden Zigeuner" im Protektorat Böhmen und Mähren mit den SS-Führern Heydrich, Frank, Eichmann und Günther.

Januar 1942

5.000 Sinti und Roma aus dem Ghetto von Lodz werden im Vernichtungslager Kulmhof in Vergasungswagen ermordet. Alle ostpreußischen Sinti- und Romafamilien, meist Bauern mit Höfen und Vieh, werden in das KZ Bialystok und von dort 1943 nach Ausschwitz deportiert.

7. Juli 1942

Der Reichskomissar für das Ostland über die "Zigeuner": "Ich bestimme, daß sie in der Behandlung den Juden gleichgestellt werden".

29. August 1942

Aufzeichnung der deutschen Militärverwaltung in Serbien: Dort sei mit Hilfe von Vergasungswagen die "Judenfrage und die Zigeunerfrage gelöst".

14. September 1942

Reichsjustizminister Thierack protokolliert zur Besprechung mit Goebbels: "Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, daß Juden und Zigeuner schlechthin vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste." Am 18. September 1942 erörtert Thierack mit Himmler, Streckenbach und anderen SS-Führern die Durchführung des Programms in SS-Unternehmen, deutschen Rüstungsbetrieben und in den Konzentrationslagern.

16. Dezember 1942

Himmlers "Auschwitz-Erlaß" für die Deportationen von 22.000 Sinti und Roma aus Europa, davon die letzten 10.000 aus dem Reichsgebiet, in den als "Zigeunerlager" bezeichneten Abschnitt des KZ Auschwitz-Birkenau ab März 1943.

Mai 1943

Dr. Josef Mengele wird SS-Lagerarzt von Auschwitz. Als erstes schickt er mehrere hundert Sinti und Roma ins Gas. Seine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Kaiser-Wilhelm-Institut geförderte "Zwillingsforschung" setzt er durch Tötung von Juden- und Sinti-Kindern fort.

2. August 1944

Auflösung des "Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau. Von den im Juli 1944 noch lebenden 6.000 Sinti und Roma werden 3.000 in andere Konzentrationslager deportiert, die anderen 3.000 in der Nacht auf den 3. August ermordet.

Mai 1945

Die Zahl der in Europa bis Kriegsende in Konzentrationslagern und von SS-Einsatz-gruppen ermordeten Roma und Sinti wird auf eine halbe Million geschätzt. Von den durch die Nazis erfassten 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden über 25.000 ermordet.

15. September 1947

SS-Einsatzgruppenleiter Otto Ohlendorf im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß zur Vernichtung zehntausender "Zigeuner" hinter der Ostfront: "Es bestand kein Unterschied zwischen den Zigeunern und Juden, für beide galt damals der gleiche Befehl."  
 
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